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HAUSCHILD

Beichte - Scheues Tier - Dreh Dich - Ernte - Feuer - Flut - Im Wald - Sie - Fünkchen - Keine Wünsche - Weihnachtsmann - Augen Zu - Bleib! - Trag Ihn - Tief Im Meer - Unterwegs -


    Beichte
    dreizehn Hiebe mit der Peitsche
    um die Sünde zu vergeben
    Schmerzen durch die Rücken fahren
    Blut wird an den Riemen kleben

    ist das Fleisch doch noch so schwach
    will der Lüste nicht entsagen
    ach so schwach kann es nicht sein
    wird es doch die Pein ertragen

    beichte mir
    alle Sünden von dir
    büße mir
    mit Schmerzen dafür

    um vom süßen Leib zu kosten
    und von ihrem Schweiß zu riechen
    nehm die Strafe lächeld an
    werde nicht zu Kreuze kriechen

    heiße Eisen auf den Lenden
    hab dem Glauben abgeschworen
    liege zwischen ihren Schenkeln
    ist doch meine Schuld verloren

    beichte mir
    alle Sünden von dir
    büße mir
    mit Schmerzen dafür


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    Scheues Tier
    barfuß bist du fortgerannt
    ich finde deine Spur im Sand
    kann dich nicht entkommen lassen
    krieg dich irgendwann zu fassen
    Dornen reißen dir das Kleid
    Schilfgras deine Haut zerschneidet
    Blut, das in den Adern kocht
    der Puls dir in den Schläfen pocht
    die Lunge brennt, die Seite schmerzt
    bis zum Hals schlägt dir das Herz
    nur ein Moment, bis ich dich krieg
    spürst meinen Atem im Genick

    du bist ein scheues Tier
    doch ich bin auf der Jagd nach dir

    ich folge deinem süßen Duft
    der mich lockend zu dir ruft
    kann dich doch nicht laufen lassen
    bekomm dich irgendwann zu fassen
    werden dir die Glieder müde
    es ist Zeit, dass ich dich kriege
    bist so nah, ich kann dich packen
    spürst du meine Hand im Nacken

    du bist ein scheues Tier
    doch ich bin auf der Jagd nach dir
    du bist ein schönes Tier


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    Dreh dich
    traumlose Nacht
    durchs Fenster die Laterne scheint
    liege noch wach
    trinke aus den Rest vom Wein
    dämpft mir den Sinn
    dass ich endich schlafen kann
    Erinnerung
    sind schuld daran

    ich seh dich an
    auf der Schwelle deiner Tür
    und gehe dann
    leise sagst du zu mir:

    dreh dich, ach, dreh dich noch einmal herum
    schenk mir dein Lächeln vom ersten Tag
    dreh dich ach dreh dich noch einmal herum
    dass ich nicht vergess' wie es mit uns war

    Traum in der Nacht
    im Fenster das Laternenlicht
    bin aufgewacht
    seh im Schatten dein Gesicht

    du schaust mich an
    auf der Schwelle deiner Tür
    ich gehe dann
    und leise sagst du zu mir:

    dreh dich ach dreh dich noch einmal herum
    schenk mir dein Lachen vom ersten Tag
    dreh dich, ach, dreh dich noch einmal herum
    dass ich nicht vergess' wie es mit dir war


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    Ernte
    ein Korn das in der Krume steckt
    wird vom Geist des Lichts geweckt
    sprengt der Sproß die Schale auf
    und streckt sein grünes Zünglein raus

    trag die Ernte ein
    es ist allerhöchste Zeit
    füll die Scheue
    bevor der Sturm den Halm zerbricht
    spann die Pferde ein
    halt den Wagen schon bereit
    zieh auf's Feld
    und schone dich nicht

    aus der Kraft der Muttererde
    wächst heraus die volle Ähre
    ist der Acker gut bestellt
    trägt an Roggen reich das Feld

    fahr die Ernte ein
    es ist allerhöchste Zeit
    führ die Sense
    bevor der Sturm den Halm zerbricht
    spann die Pferde ein
    halt den Wagen schon bereit
    zieh auf's Feld
    und schone dich nicht


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    Feuer
    ich hab ein Feuer dir gemacht
    es soll dich wärmen in der Nacht
    ich habe Holz dafür geschlagen
    die Äste auf mein Kreuz geladen
    die Säge hat es fein geteilt
    und dann gespalten mit dem Beil

    und ich seh in deine Augen, die Flammen spiegeln sich
    werfen ihre heißen Strahlen mir in mein Gesicht

    schnitzte Späne mit dem Messer
    so entflammt der Zunder besser
    und dann Holz an Holz gerieben
    bis die ersten Funken stieben
    und das Feuer hell entfacht
    es wird dich wärmen in der Nacht

    und ich seh in deine Augen, und meine spiegeln sich
    lege meinen eigenen Schatten dir auf dein Gesicht


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    Flut
    Wolken weinen einen Regen
    Tränen wird es reichlich geben

    Wolken weinen einen Regen
    wenn sie ach so traurig sind
    Tränen wird es reichlich geben
    in den Pfützen spielt das Kind

    weiter weiter fällt der Regen
    Flüsse über Ufer treten

    weiter weiter fällt der Regen
    Bäche schwelln zu Strömen an
    Flüsse über Ufer treten
    bricht nun auch der letzte Damm

    hier kommt die Flut
    hier kommt die Flut

    Wassermassen sich ergießen
    alles droht hinweg zu fließen

    Wassermassen sich ergießen
    bis das ganze Land versinkt
    alles droht hinweg zu fließen
    und das Kind im Meer ertrinkt

    hier kommt die Flut
    hier kommt die Flut


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    Im Wald
    im Wald da schleicht der Jäger, will das Rehlein fangen
    muß das arme Tier, nun um sein Leben bangen
    im Wald da schießt der Jäger, mit dem Jagdgewehr
    doch hat er nun kein Pulver, und keine Kugeln mehr

    hat man ihm es nicht gesagt
    der Jäger wird auch oft gejagt
    so ist es wie im Leben
    die Schuld wird nicht vergeben

    im Wald da ist der Jäger, an einem scharfen Stein
    böse hingefallen, brach er sich das Bein
    im Wald da liegt der Jäger, Blut tritt aus der Wund
    sickert durch den Nebel, weckt den wilden Hund

    hat man ihm es nicht gesagt
    der Jäger wird auch oft gejagt
    hat er es so nicht gedacht
    ist er nicht mehr aufgewacht
    so ist es wie im Leben
    die Schuld wird nicht vergeben

    ach, da liegt der Jäger, seine Glieder kalt
    der Wolf und auch das Rehlein, spazieren durch den Wald


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    Sie
    sie - sie hat sich schön gemacht
    im weißen Kleid zur späten Stund
    schwarze Augen rot der Mund

    sie - sie hat sich schön gemacht
    ein Kind dass in den Himmel ruft
    weil es seinen Vater sucht

    tief in mir ist die Angst zu leiden
    komm zu mir ich will nicht alleine bleiben

    nur - nur ein Lidschlag der den Kopf verdreht
    die roten Lippen feucht geleckt
    wird der Appetit geweckt

    sie - sie hat sich schön gemacht
    ein Kind dass in den Himmel ruft
    weil es seinen Vater sucht

    tief in mir ist die Angst zu leiden
    komm zu mir ich will nicht alleine bleiben


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    Fünkchen
    wenn das Licht den Tag verläßt
    und der Himmel dunkel ist
    leg ich dich zur Abendruh'
    und du machst deine Äugelein zu

    und ein Fünkchen fliegt zum Fenster raus
    hinauf zum Sternenzelt
    sucht sich einen Platz dort aus
    und schaut als Pünktchen auf die Welt

    wenn das Licht ruht in der Nacht
    ein Sternchen hell am Himmel wacht
    denkt sich einen Traum dort aus
    und schickt ihn dir nach Haus

    das Fünkchen sieht zum Fenster rein
    vom weiten Sternenzelt
    dort träumt ein kleines Kindelein
    von seiner schönen heilen Welt

    wenn das Licht den Tag erweckt
    Stern um Stern sich dann versteckt

    und ein Fünkchen fliegt zum Fenster rein
    und du, du öffnest deine Äugelein


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    Keine Wünsche
    was soll ich heute machen
    von all den schönen Sachen
    was will ich unternehmen
    wo kann ich noch was erleben

    was ist mir noch wichtig
    und nicht Null und nichtig
    wohin soll ich noch gehen
    was hab ich noch nicht gesehen

    ach das Leben ist so leer
    ich habe keine Wünsche mehr

    was soll ich noch probieren
    was hab ich zu verlieren
    was gibt es heut zu naschen
    was kann mich noch überraschen

    was kann mich entzücken
    und heute noch beglücken
    wer könnte mir gefallen
    von den Mädchen allen

    ach das Leben ist so leer
    ich habe keine Wünsche mehr
    ach das Leben ist so schwer
    ich habe keine Wünsche mehr


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    Weihnachtsmann
    es ist wieder mal soweit
    Angst und Freude macht sich breit
    zündest eine Kerze an
    weil du's kaum erwarten kannst

    komm' ich heut' zu dir nach Haus
    packe meine Gaben aus
    was ist in dem vollen Sack?
    etwas von dem was du magst?

    bist du doch ein gutes Kind
    so wie liebe Kinder sind
    warst du brav in diesem Jahr?
    ach das wär' ja wunderbar

    hast du nicht auch mal gelogen
    die Geschwister nicht betrogen
    und die Mittagsruhe gestört
    auf den Vater nicht gehört

    wirst du mir kein Liedchen singen
    kann ich kein Geschenk dir bringen
    willst du kein Gedicht aufsagen
    muss dich mit der Rute schlagen


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    Augen Zu
    geht der Tag zur Neige und die Nacht beginnt
    alle Vögel schweigen - ganz still
    schwer so sind die Glieder von des Lebens Müh'
    auch die Augenlider schlafen bis morgen früh

    wenn du müde bist
    dich die Kraft verläßt
    leg dich nieder und mach die Augen zu
    schlaf ganz friedlich ein
    ich werd' bei dir sein
    halte Wacht und hüte deine Ruh'

    geht es nun zur Neige und die Nacht beginnt
    Ende alles Leiden - ganz still
    Licht vergeht im Dunkel, schwarzes Himmelszelt
    Zeit ist abgelaufen, die Stunden sind gezählt

    wenn ich nicht mehr kann
    halt die Zeiger an
    leg mich nieder und mach die Augen zu
    schlafe friedlich ein
    wirst du bei mir sein?
    halt mir die Hand dann find ich meine Ruh'


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    Bleib!
    du, du bist vom Weg abgekommen
    hab dich mit zu mir genommen
    in mein Häuschen tief im Wald
    denn draussen ist es bitter kalt

    du, bleibst du bis der Tag beginnt
    und die Lerche wieder singt
    hier ist’s warm, kannst dich entkleiden
    ich werd ein Lager uns bereiten

    bleib heute Nacht im Haus
    du kommst hier nicht mehr raus
    ich errette dir dein Leben
    sollst mir dafür auch was von dir geben

    du, kannst du noch nicht nach draußen gehen
    ist im Dunkel nichts zu sehen
    warte für die Winterzeit
    bis die Sonne wieder scheint

    ein, ein ums andere Jahr verfließt
    bis der Schnee geschmolzen ist
    draußen weht ein kalter Wind
    wirst du dich erfrier'n mein Kind

    bleib heute Nacht im Haus
    du kommst hier nicht mehr raus
    ich errette dir dein Leben
    musst mir dafür auch was von dir geben


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    Trag Ihn
    ein kurzer Schrei stößt an dein Ohr
    der Kamerad zu Boden geht
    die Kugel riß den Nabel auf
    und heiser seine Stimme fleht

    lass ihn hier nicht liegen denn
    der Feind soll ihn nicht schänden
    will er doch im eigenen Zelt
    sein Leben still beenden

    trag ihn bis ans Ende der Dunkelheit
    sei stark und
    leg ihn auf die Heimaterde
    trag ihn bis im Lichte der Tag sich zeigt
    bleib stark und
    hilf ihm dass er friedlich sterbe

    schwer liegt er auf der Schulter
    trag ihn von hier weg
    die Stiefel stehen voller Wasser
    tief in Schlamm und Dreck

    der Bauchschuss blutet innerlich
    schwarz läuft es aus dem Mund
    das Schreien wird zu leisem Wimmern
    bis es endlich dann verstummt

    trag ihn bis ans Ende der Dunkelheit
    sei stark und
    leg ihn auf die Heimaterde
    trag ihn bis im Lichte der Tag sich zeigt
    bleib stark und
    hilf ihm dass er friedlich sterbe

    Kugeln singen in den Ohren
    doch du darfst nicht verzagen
    irgendwann wird einer dann
    auch dich nach Hause tragen


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    Tief Im Meer
    geh zum Wasser spät der Abend
    meine müden Augen schauen
    ein verzerrtes Spiegelbild
    kann dem Anblick nicht vertrauen
    geh ins Wasser ohne Schuh
    die schweren Füße mir zu kühlen
    weich der Sand, und ich versinke
    kein Boden unter mir zu fühlen

    tief im Meer
    ist es bitter kalt und leer
    kein trüber Schein durchs Dunkel bricht
    nirgendwo ein blasses Licht

    geh zum Wasser um zu trinken
    mir den heißen Durst zu löschen
    Salz in meiner Kehle brennt
    kann mich daran nicht erfrischen
    steht das Wasser mir zum Halse
    die Welle über mir zerbricht
    und es zieht mich immer tiefer
    schwarzer Schaum nimmt mir die Sicht

    tief im Meer
    ist es bitter kalt und leer
    kein trüber Schein durchs Dunkel bricht
    nirgendwo ein blasses Licht

    tief im Meer
    ist es nicht nur kalt und leer
    ein heller Schein durchs Dunkel bricht
    leuchtet warm ein blaues Licht


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    Unterwegs
    viele Tage bin ich einsam
    hier im Dunkel unterwegs
    und ich denke an die Heimat
    wo mein Haus in Asche steht

    manchmal wünsche ich mir die Farben
    aus der Kinderzeiten Glück
    mal sie auf die roten Narben
    hol' die heile Haut zurück

    ziehe weiter durch die Felder
    wo die alten Gräber sind
    ob ich in den finst'ren Wäldern
    eine neue Bleibe find'?

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Last update 15.10.2015